Postproduktion – der Feinschliff Deiner Lernvideos

01. Januar 1970 - Lernvideos, Content

Autoren:
Astrid Beckkhaus,Debeka Versicherungen
Expertenteam-LuB-Mitglied Christian Helmus, Debeka Versicherungen

Videoeditoren in der Postproduktion sind Geschichtenerzähler mit Bild und Ton. Sie modellieren die Stimmung eines Videos und seine Wirkung auf den Betrachter. Sie bearbeiten und schneiden alle geeigneten und wichtigen Filmmaterialien zusammen und setzen wirkungsvolle Effekte. Deshalb braucht man in der Postproduktion ein feines Gespür dafür, welche Effekte wie zum Einsatz kommen, um die Aussage oder ein Lernziel einer Videosequenz optimal zu transportieren. Aber mit ein wenig Know-how kann jeder tolle Videos machen. Einige Aspekte, die Du bei der Postproduktion Deiner Videos beachten solltest, zeigen wir Dir hier.

Verzeichnisstruktur – ohne Ordnung geht es nicht

Bevor es an das Bearbeiten geht, gilt es mit einer Verzeichnisstruktur Ordnung in die zahlreichen Dateien zu bekommen. Alle projektrelevanten Medien und Aufnahmedateien sollten in diesen Ordnern zu finden sein.

Das kann in etwa so aussehen:

Bildbearbeitung

Die Farbkorrektur sorgt nicht nur für ein ausgewogenes Verhältnis der Farbstimmung, sondern nimmt auch Einfluss auf die Stimmungen und die Atmosphäre des Videos. Dabei entscheiden sowohl künstlerische Gesichtspunkte als auch die menschliche Wahrnehmung.

Die Farbkorrektur definiert u. a. die Intensität der Farbtöne und den Hell-Dunkel-Kontrast. Du kannst aber auch völlig neue Farbtöne hinzufügen.
Im Idealfall werden die Farbgebung und die Farbstimmung schon während des Drehens (bzw. im Drehbuch) berücksichtigt. Damit setzt man gezielt Bildelemente in den Fokus.

Schnitt

Der Aufbau eines Videos ist enorm wichtig für seine Wirkung und die Zielgruppenansprache. Nicht ohne Grund existieren allerlei Formate. Spielfilme, Clips oder Serien dienen zur einfachen Unterhaltung. Hingegen sind Interviews oder Trainervideos hauptsächlich auf den Informationstransfer zugeschnitten. Die Formate verfolgen unterschiedliche Ziele und sprechen den Betrachter auf unterschiedliche Weise an. Diesen Grundgedanken sollte man beim Schnitt im Hinterkopf behalten.

Im Idealfall hat man Extra-Filmmaterial (=Schnittbilder), sogenanntes „B Roll“-Material zur Verfügung. Das sind Aufnahmen (Beispiel: https://www.youtube.com/watch?v=jy1HG1DyKCs) neben dem Haupt-Filmmaterial, die zur Untermalung einer Sequenz hinzugeschnitten werden. Mit diesen zusätzlichen „Filmschnipseln“ können auch Schnitte kaschiert werden.  Klassiker hierfür sind die sogenannten L- und  J-Cuts. Diese Schnittmethoden sind Audio- und Videoübergänge, die innerhalb einer Szene an unterschiedlichen Stellen integriert werden. So hört man z. B. eine Stimme (im Off) und sieht gleichzeitig eine Detailansicht als Bildsequenz.

L-CUT: Ein L-Schnitt liegt vor, wenn das Audio der vorigen Szene noch in der Folgeszene zu hören ist.

Videobeispiel: https://www.youtube.com/watch?v=icWKC_osXQU

J-CUT: Ein J-Schnitt ist die Umkehrung eines L-Schnitts. Das Audio aus der nächsten Szene ist schon zu hören, wenn das Filmmaterial der vorigen Szene noch zu sehen ist.

Diese beiden Schnitt-Techniken eignen sich für Interview Situationen und für kurze Erklär-Sequenzen.

Empfehlenswert für Trainingsvideos ist das Einblenden von Texten, Schaubildern, Grafiken usw. Sie veranschaulichen das Gesprochene im Off. Den hierfür benötigten „Platz“ solltest du bereits während des Drehs berücksichtigen.

Ton

Atmosphäre

Der Ton beeinflusst nicht nur die Anzahl der übertragenen Informationen sondern bestimmt auch die Atmosphäre des Films. Daher solltest Du auf eine einheitliche Geräuschkulisse achten und ggf. nachbearbeiten. Die Rauschminderung wird neben dem Dynamikumfang am häufigsten verwendet um Hintergrundgeräusche zu minimieren. Denn unvorhergesehene Störquellen im Hintergrund wie z. B. Baustellen- oder Flugzeuglärm lenken ab und sollten herausgefiltert bzw. erst gar nicht aufgenommen werden.

Sprache

Füllwörter wie „Äh“, „Mmh“ oder Versprecher kannst Du oft herausschneiden. Eine klare und deutliche Sprache ist wichtig. Um die Aufmerksamkeit des Zuschauers nicht zu verlieren, solltest Du zu lange Ausführungen ebenfalls entfernen. Achte aber darauf, dass die Aussagen gut klingen und abgeschlossen sind und nicht abgeschnitten werden.

Musik

Musik in Lernmedien ist ein sensibles Thema: Sie spinnt einen unsichtbaren emotionalen Faden. Musik lässt den Betrachter Gefühle wie Angst, Freude oder Trauer nachempfinden. Sie sorgt dafür, dass es „unter die Haut“ geht. Daher macht Musik genau dann Sinn, wenn es um Emotionen geht. Im restlichen Teil  ist sie stiller Begleiter oder nicht vorhanden z. B. wenn Lerninhalte anschaulich von einem Protagonisten vermittelt werden.

Grafik und Animation

Grafiken oder Animationen verleihen Videos nicht nur den letzten Schliff. Sie erleichtern die Wissensvermittlung, lassen den Betrachter tiefer in das Thema eintauchen und schaffen Mehrwert.  

Vor-/ Abspann

Der meist aufwändig gestaltete Vorspann mit Einblendung des Videotitels soll die Aufmerksamkeit des Betrachters wecken. Die ersten Spielminuten sind, wie bei der ersten Begegnung mit Unbekannten, wichtig für das Interesse am Weiterschauen.

Der Abspann dient dazu, Hintergrundinformationen über die Produktion des Films bekanntzumachen. Namentlich genannt werden u. a. Besetzung, Produktionsgesellschaften sowie die Sprecher im Off.

Bauchbinde

Standard bei Moderationen, Interviews oder in Dokumentationen. Die Zusatzinformation erscheint am unteren Bildrand und zeigt den Namen, evtl. die Tätigkeit oder Herkunft des Sprechers und das Logo der jeweiligen Sendung oder Firma.

Schaubilder, Folien, Texte

In Lern- oder Erklärvideos kann die Einblendung von Folien, Text oder Schaubilden dem Betrachter helfen, wichtige Inhalte zu verinnerlichen. Sie  geben Deinem Video Substanz.

Best Practice

Wir hoffen, dass Dir unsere Ausführungen weiterhelfen werden und möchten Dir noch einen Tipp mit auf den Weg geben: Sieh Dir Deiner Meinung nach besonders gelungene Lernvideos an und achte darauf, wann und wie die oben genannten Aspekte zum Einsatz kommen. Dabei kann man jede Menge für die eigene Arbeit lernen.

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